Ölziehen auf dem Vormarsch

 

In immer mehr Badezimmern nimmt wertvolles Öl Einzug, um damit die Giftstoffe aus dem Rachenraum zu entfernen.

Immer mehr Familien unserer Gesellschaft beginnen ihren Tag mit einem Ritual aus der antiken Ayurveda-Kultur: dem Ölziehen. Die ayurvedischen Lehre sieht auch den menschlichen Mundraum als Ausscheidungsorgan, über das Giftstoffe abgesondert werden. Um diese Körperfunktion zu unterstützen, verwenden Ayurveda-Jünger ein besonders Öl, von dem sie morgens einen Teelöffel in den Mundraum geben und damit diesen spülen und dabei auch durch die Zahnzwischenräume saugen, ziehen und schlürfen. Am Ende bekommt auch die Zunge ihren Teil ab: Ein Zungenschaber wird von hinten nach vorne gezogen, um auch dort die zahlreichen Bakterien, Viren, Pilze, Säuren und Gifte aus der Mundschleimhaut zu entfernen. Die ganze Aktion dauert zwischen 5 Minuten (für Anfänger) bis 20 Minuten (für Fortgeschrittene). Diese Zeit ist nicht verloren: Während des Ölziehens gehen Kenner sogar unter die Dusche, bereiten das Frühstück her oder legen die Kleidung für den Tag heraus.
Während des Ölziehens werden die Speicheldrüsen angeregt und die Flüssigkeit im Mund wird immer mehr. Wenn die Zeit um ist, bitte die nun weißliche Lösung nicht in die Toilette oder gar ins Waschbecken ausspucken, sondern in ein Stück Toilettenpapier, das in der Folge im Restmüll landet. Damit vermeidet man, dass Giftstoffe in den weiteren Naturkreislauf landen.
Manche Kritiker dieser alten Gesundheitslehre meinen, dass der menschliche Körper dank der zentralen Ausscheidungsorgane durchwegs in der Lage sei, alle anfallenden Giftstoffe, auch die des Rachens, abzubauen. Dem gegenüber behaupten Befürworter, noch nie sei ein potentiell schädliche Wirkung des Ölziehens dokumentiert worden.
Tatsache ist, dass Ölziehen die Zähne stärkt, die Reflexzonen der Zunge aktiviert, Giftstoffe aus dem Mundraum zieht, etwa kariesverursachende Säuren beseitigt, das Zahnfleisch nährt, Zahnfleischbluten vorbeugt und gegen Mundgeruch helfen soll.
Nach dem Ölziehen gilt es, den Rachenraum mit möglichst warmem Wasser gründlich auszuspülen und mit der Zahnbürste die Zähne von den möglicherweise hartnäckigeren Resten zu reinigen. Dazu nehmen viele inzwischen wieder Zahnöl, wie es etwa die Fa. Ringana auf dem seit über 22 Jahren auf dem Markt hat: Das fresh tooth oil, das eigens zu diesem Zweck zusammengestellt wurde und aus einer Mischung aus Minzöl, Javanischer Gelbwurz, Sternanisöl, Zimtöl und Eukalyptusöl besteht. Viele, die dieses Öl probiert haben, gehen nie mehr auf die vielfach flouridverseuchten, herkömmlichen Zahnpasten zurück.