Die Harmonie des zeitlichen Rhythmus‘

 

Durchgehend Normalzeit? Durchgehend Sommerzeit? Weiterhin wechseln? In Europa schaukeln sich die Wogen hoch. 

Die Diskussion um das Für und Wider der zweimaligen jährlichen Zeitumstellung ist voll entbrannt. Inzwischen stehen sich in ganz Europa quer durch die Familien drei Lager gegenüber.

  • Eine Gruppe vertritt die Auffassung, dass der in den späten 70ger Jahren eingeführte Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit, dessen Wechseldaten sich inzwischen durchgesetzt haben, mit den bekannten „sozialen Jetlag“-Folgen durchwegs erträglich sei.
  • Die „Lärchen“ unter uns, der Chronotypus der Frühaufsteher, vertreten dagegen den Wunsch nach einer durchgängigen astronomischen Normzeit. Als Morgenmenschen wollen sie, dass kurz nach dem Aufstehen der Tag anbricht wird.
  • Dem widersprechen die „Eulen“ unserer Gesellschaft, die gegen Mitternacht und später einschlagen und am Morgen erst gegen 8 oder 9 aufwachen. Dieser Gruppe liegt es daran, dass es am Abend möglichst lange hell bleibt. Aus diesem Grund ziehen sie die durchgehende Sommerzeit vor.

In der Tat wird das Leben von allen Kreaturen dieser Welt seit jeher von den astronomischen Grundregeln bestimmt: Die Drehbewegung der Erde um sich selbst sorgt für Tag und Nacht und durch die gleichbleibende Schrägstellung der Erdachse bei ihrem Umlauf um die Sonne entstehen die Jahreszeiten, demnach Zeiträume mit Wärme und Kälte. Gleichzeitig hat sich unsere Gesellschaft der Dienstleiter einen Lebenstakt auferlegt, der in der Regel Arbeitszeiten vorsieht, die um 8 Uhr beginnen. Nachdem sich unser Organismus – dem astronomischen Wechselspiel entsprechend – einen eigenen zeitlichen Rhythmus eingerichtet hat, gerät dieser nun durch den konventionellen Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit zweimal im Jahr arg durcheinander. Da nur mehr wenige im Einklang zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang leben, gerät die innerer Uhr regelmäßig ins Schleudern. Das abendliche Freizeitverhalten sorgt für einen weiteren Eingriff in den Ablauf unserer biologischen Uhr. Was Wunder, wenn 85% der Bevölkerung heute einen Wecker benötigen, um vom Schlaf zu erwachen. Und da sich der Großteil der Gesellschaft aus Eulen zusammensetzt, leiden immer mehr Leute unter Müdigkeit, Abgeschlagenheit und fehlender Konzentration.

Eine Beibehaltung des Wechsels zwischen Normalzeit und Sommerzeit setzt inzwischen eine Anpassung der Schul- und Arbeitszeiten in Form von Gleitzeit voraus, wo sich jeder – seinen individuellen genetischen Voraussetzungen gemäß – seinen produktivsten Zeitraum für die Arbeit auswählen kann. Und wenn es gelingt, den Weg zu einer solchen Revolution des Arbeitens zu finden, genügt es an und für sich, in Europa das ganze Jahr über wieder die astronomische Normzeit beizubehalten.