Problemzone Kraftfahrzeugverkehr

 

Privatautos soweit das Auge reicht: inzwischen untragbare Zustände.

Immer wieder verrennt sich die heutige Gesellschaft in ausgewachsene Problemzonen, für die offensichtlich keine gangbare Lösung gefunden werden kann. Eine solche stellt der private Autoverkehr dar. Viele dieser Kraftfahrzeuge sorgen für Lärm und Abgase, machen den Fußgängern und Fahrradfahrern die freien Verkehrsflächen streitig und nagen am vielfach dünnen Nervenkostüm der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer.

Autos sind nun einmal einer der Motoren der Volkswirtschaft. In den so genannten Industriestaaten hängen knapp 5 Millionen Arbeitsplätze mit der Herstellung von Autos zusammen. So ist auch zu verstehen, wenn die Produktion von neuen Kraftfahrzeugen massiv am Laufen gehalten werden muss. So strotzen Werbeträger geradezu vor Autowerbung. Monat für Monat gibt es die Ankündigung von neuen Fahrzeugen, bei denen oft gerade nur eine Kleinigkeit als großer Wurf verkauft werden soll. Und der durchschnittliche Verbraucher fällt darauf herein und wechselt sein Auto. Das alte landet im Gebrauchtwagenhandel und kommt wieder in den Verkehr zurück, der dann ganz anders aussieht als die Werbebotschaften mit den breiten, freien Straßen im Sonnenuntergang.

Was Wunder, wenn der heutige Personentransport in Europa zu über 80% im Privatauto erfolgt. Der öffentliche Verkehr mit Bus, Fernbus und Zug kommt da im Vergleich auf gerade mal um die 17%. Diese öffentliche Einrichtung wird vielfach als zu teuer empfunden, da der Vergleich mit den Kosten des Privatfahrzeugs immer nur dessen Kraftstoff herangezogen wird. Und Diesel und Benzin sind nun einmal konkurrenzlos billig. Der Literpreis erreicht gerade einmal jenen eines Liters Milch. Selbst amerikanische Brausegetränke erreichen wesentlich höhere Literpreise.

Diese ständig zunehmende Anzahl an Kraftfahrzeugen muss auch immer mehr öffentliche Flächen belegen, um abgestellt zu werden. Das geht zu Lasten von Fußgängern und Fahrradfahrern. In Städten und inzwischen auch am Land bleibt kein Quadratmeter Raum als Parkplatz ungenutzt, es sei denn, er ist durch ein architektonisches Hindernisabgeschirmt. Eine unerträgliche Situation, weil die Ordnungshüter längst darauf umgestiegen sind, diesen Zustand gewähren zu lassen, wenn ein Autofahrer nicht ein allzu grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt hat.

Und da die Flächen zum Parken von Autos immer weniger werden, entsteht – zumindest in den Städten – ein unaufhörlicher Zusatzverkehr der Parkplatzsuchenden, die dabei meist mehr Treibstoffkosten für das Umherfahren verschwenden, als die Parkgebühr in einem öffentlichen Parkplatz ausmachen würde.

Und reden wir nicht von den immer noch vielen Autofahrern, die aus purer Bequemlichkeit den Motor ihres Autos laufen lassen, auch wenn sie stehen und warten. Dabei fällt auf, dass vor allem Verkehrsteilnehmer mir offenbar etwas eingeschränkter Bildung für ein solches Verhalten viel anfälliger sind.

Am Ende muss festgestellt werden, dass Politiker und Gesellschaft diese bedenkliche Entwicklung zwar erkennen, jedoch mit dem Hintergedanken „Wenn’s einmal wirklich schlimmer wird, werden wir wohl eingreifen!“ Gegenmaßnahmen auf die lange Bank schieben.